Memo: Das skeptische Spektakel

Augen zu und durch. Mit keinem anderen Gefühl kann man als Mitglied der GWUP, der deutschen Skeptikervereinigung, in die kommende Mitgliederversammlung in Augsburg gehen. Gleichwohl ist dies nur der Höhepunkt einer Serie von Unannehmlichkeiten, die mit dem Richtungsstreit im Verein verbunden sind. Sie summieren sich zu einem Klima, in dem man sich einerseits unbehaglich fühlen muss, sich im und zum Konflikt zu äußern, drohen hier doch mittlerweile allen Diskutanten öffentliche Reaktionen, die zum persönlichen Schaden sein können. Andererseits zwingt gerade auch dieses Klima einen dazu, sich nicht nur intern, sondern auch öffentlich zu äußern. Bestimmte Aussagen und Darstellungen verlangen eben – je nach Perspektive – kontestiert zu werden. Und so erfolgen auch diese Anmerkungen hier nur mit einem gewissen Unbehagen. Es ist ein saurer Apfel, der zu schlucken ist, wenn man für die Richtungsentscheidung etwas zu bedenken geben will.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Von (politischen) Diskussionen in den digitalen Medien halte ich nichts. Allein schon Mailinglisten, Foren und Chatgruppen bergen ein großes toxisches Potential, werden hier doch soziale Mechanismen des gegenseitigen Verständnisses ausgehebelt und Prozesse der Frontenbildung katalysiert. Die sozialen Medien skalieren dieses Problem noch auf die gesellschaftliche Ebene und multiplizieren es zugleich – je nach technischem Design der Plattform – um ein Vielfaches. Man muss hier gar nicht erst über solche Faktoren wie die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivität, die kreisenden Erregungen, die emotionalisierende Aufmerksamkeitsökonomie usw. reden. Es genügt darauf zu verweisen, dass die politischen Debatten im digitalen Raum von einer Flut an unqualifizierten Kommentaren geprägt sind, deren Urheber in prä-digitalen Zeiten keinen Beitrag an die Öffentlichkeit gebracht hätten, etwa in Form von Artikeln in einer Zeitung. Eine sachliche und hochwertige Debatte ist in der post-redaktionellen Öffentlichkeit kaum möglich; die Informationsverschmutzung ist hier endemisch.

Es wäre Aufgabe der Professionen, die für einen aufgeklärten Diskurs sorgen sollen, sich diesem Sog zu entziehen. Leider aber ist zu beobachten, dass sich viele Journalisten und Wissenschaftler in den sozialen Medien exponieren und in die affektiven Prozesse des Gruppendenkens involvieren lassen, die der digital vermittelten Gemeinschaftsbildung innewohnen. Aus dem Versuch etwa, populäre Wissenschaftskommunikation zu betreiben, folgt nicht selten ein Populismus in wissenschaftlichem Gewand, der identitäre Bedürfnisse der eigenen Milieus bedient. Besonders fatal ist dies im Falle solcher Akademiker, deren Interesse Problemen der Radikalisierung und Polarisierung gilt. Sie werden zum Teil jener tribalistischen Konfliktdynamiken, die sie untersuchen sollen – mitunter ebenso getrieben von identitären Anerkennungsbedürfnissen wie auch andere Nutzer. Es ist ein strukturelles Problem, dem mit der Beschwörung von Medienkompetenz nicht beizukommen ist. Umso mehr sollte auch bei vereinsinternem Streit gelten, dass man ihn nicht in den sozialen Medien austrägt.

Harte, mitunter persönliche Binnenkonflikte schaffen ohnehin schon Risse, die schwer zu kitten sind. Sind sie erstmal im Digitalen angelangt, schaukeln sie sich zur shitshow hoch; die Gräben reißen immer weiter auf. Hier werden Dinge nicht einfach persönlich genommen; vor der Öffentlichkeit wirken sie ehrabschneidend. Das verlangt eine starke Reaktion, die wiederum dem Gegenüber als Angriff gilt. Usw. usf. Das macht ja gerade das Toxische im Digitalen aus. Am Ende steht dann jene Infantilisierung, wie wir sie bei der GWUP erleben: Emotionale Aufrufe, persönliche Anekdoten, Vorwürfe der Niedertracht prägen das Bild. Gewiss, der spill-over ins Digitale lässt sich heute schwer vermeiden; manche mögen dies gar als notwendig begreifen, um eine breitere Mitgliedschaft über empfundene Missstände informieren zu können. In jedem Fall sollte, wenn es schön öffentlich ist, gelten: Es sind argumentative Strukturen zu kritisieren, nicht Personen anzugehen – zumindest keine ohne exponierte Funktion. Bezug sollte dabei v.a. auf zusammenhängende, im Sinne des Presserechts veröffentlichte Beiträge genommen werden. Wer wirklich über die sozialen Medien diskutieren will oder gar nur dort (anonym) aktiv wird, ist – für die Diskussion um die eigentliche Sache – nicht ernst zu nehmen.

Bekanntlich steht im Zentrum des Streits die Frage nach dem Umgang mit linker Identitätspolitik bzw. Wokeness. Oder genauer gesagt: mit ihren Ausprägungen im akademischen Bereich und den daraus abgeleiteten, vermeintlich wissenschaftlich gestützten Argumentationsmustern im gesellschaftspolitischen Diskurs. Es ist hier nicht möglich, diesen vielschichtigen Problemkomplex ausführlich zu diskutieren. Die Diskussion ist dort, wo sie historisch und theoretisch informiert geführt wird, reichhaltig an Aspekten, die verschiedene Ebenen der Sozialanalyse bis hinein in den Bereich der politischen Theorie oder gar Philosophie schneiden. Bedauernswerterweise wird die Debatte im GWUP-Kosmos nicht gerade auf der Höhe dieser Diskussion geführt. Sie erschöpft sich bei einigen Beteiligten in einer oberflächlichen Betrachtung von Begriffen, nicht selten auf rein assoziativer Basis. Dadurch wird die Debatte in eine Eindimensionalität gedrängt, bei der viele Fragen unbehandelt bleiben, die für eine Reflexion akademischer Entwicklungen und die Aktualisierung des Skeptizismus wichtig sind. In großen Teilen hängt die GWUP-Debatte sogar der breiteren öffentlichen Debatte hinterher und vereinfacht an Stellen, wo selbst diese mehr differenziert.

Der Streit in der GWUP steht damit auch für eine epistemische Krise im deutschen Skeptizismus, reproduzieren hier doch einige Diskutanten lediglich Narrative und talking points aus dem Diskurs spezifischer sozio-politischer Milieus, die ihnen zu normativen Gewissheiten geworden sind – und als solche die Affekte anleiten, die für Polarisierungsdynamiken entscheidend sind. Es wäre gerade Aufgabe einer Skeptikervereinigung, über solches Gruppendenken erhaben zu sein und jene Gewissheiten, die naturgemäß Vereinfachung oder gar Verblendung produzieren, mit kritischem Abstand zu betrachten. Dass der Verein dazu nicht in der Lage ist, hat auch mit seiner Strukturlosigkeit zu tun. Obwohl er (schein-)wissenschaftliche Phänomene wissenschaftlich untersuchen will, kennt er etwa keine Fachbereiche oder Arbeitshierarchien, die in der Wissenschaft sicherstellen sollen, dass sich Expertise auch wirklich durchsetzen kann. Gerade beim vorliegenden Streitgegenstand wäre diese aber besonders wichtig. Denn obwohl oder gerade, weil es ein öffentlich kontrovers diskutiertes Thema ist, ist es ein sehr spezielles, das Kenntnisse über die verschiedenen Ebenen der Konfliktstruktur verlangt – und identitären Abstand obendrein.

Damit soll nicht gesagt sein, dass der Flügel, der um sog. Woke-Kritik bemüht ist, vor Expertise nur so strotzt. Weil es eben ein voraussetzungsreicher Gegenstand ist, gibt es m.E. nur wenige, die den Problemkomplex hinreichend überblicken. Immerhin aber hinterfragt man dort die politischen Narrative, die die (wissenschaftliche) Beschäftigung mit diesem Phänomen überlagern; man versucht sich eine eigene, kritische Meinung dazu zu bilden – und reproduziert nicht jene Gewissheiten, die wirkliche Erkenntnisse bereits vorab ausschließen. Auf diesem Weg muss nicht nur Wissen darüber erschlossen werden, in welche sozio-politische Konstellation sich die normativen Konflikte der Gegenwart einfügen, sondern auch darüber, wie hier bestimmte Konzepte aus szenelinken Nischen in den bildungsbürgerlichen Mainstream diffundiert und zu Normen sedimentiert sind. Und das wiederum setzt Kenntnisse über die lange Ideengeschichte linker Identitätspolitik voraus, einschließlich ihrer theoretischen Grundlagen, der Diskussionen um diese wie auch der Konflikte um ihre praktische Implementierung. Die Debatte ist eben deutlich tiefer als die bildungsbürgerlichen Epigonen der identitätspolitischen Ideen meinen, die im Wesentlichen nur ihre Hülsen kennen.

Wenden wir uns nun genauer dem Denkverschluss zu, der ein kritisches Eindringen in diese normativen Gewissheiten blockiert, muss man sich zunächst vor Augen halten: Nichts in den Biografien der sog. Woke-Kritiker in der GWUP weist auf eine rechte oder gar rechtsextreme Zugehörigkeit hin; man positioniert sich dort klar gegen Rechtsaußen, arbeitet z.T. wissenschaftlich zu diesem Akteursbereich und setzt sich für eine liberale und offene Gesellschaft ein. Die Nähe nach »rechts« ist allein über die Konstruktion einer narrativen Brücke möglich, über die hier noch zu reden sein wird. Grundsätzlich sind jene Kritiker aber unverdächtig, Teil eines rechtsidentitären Gruppendenkens zu sein. Und dass sie auch nicht Teil eines linksidentitären Gruppendenkens sind, beweisen sie mit der Kritik an eben diesem. Dieser kognitive Vorteil für skeptisches, unabhängiges und, ja, auch politisch emanzipiertes Denken geht der Gegenseite weitestgehend ab. Sie ist augenscheinlich in die politischen Normen spezifischer sozio-politischer Milieus verstrickt, die sie explizit als solche auch verteidigt. Implizit schlägt sich das auch nieder in einer Sorge vor Anerkennungs- und Reputationsverlust. Die Angst, von den peer groups abgestraft zu werden, ist bezeichnenderweise ein offen vorgetragenes Argument in der Debatte, ob sich die GWUP kritisch dem »Woke-Phänomen« widmen sollte.

Für ein Verständnis der Reibungspunkte im kommunikativen System der GWUP ist der identitäre Denkverschluss also zentral. Konkret macht er sich in einer semantischen Differenz bemerkbar, die den Diskurs durchzieht, wenn über Wokeness bzw. linke Identitätspolitik gesprochen wird. Der Begriff, den man dabei jeweils vor Augen hat, bildet die Grundlage für die eigenen Ableitungen, die dann auf die Ableitungen der anderen projiziert werden – und erzeugt so emotionalisierende Missverständnisse. Eingekerbt ist diese Differenz dadurch, dass sowohl der Begriff der linken Identitätspolitik als auch der der Wokeness eine elaborierte und eine vulgäre Form kennen. Das ist zunächst einmal normal und gerade in digitalen Zeiten der sog. Hyperpolitik kaum anders zu erwarten. Was diese Differenz nun aber konkreter ausgestaltet, ist der Umstand, dass sich im Umgang mit der sich formierenden Kritik an dem Phänomen ein wirkungsmächtiger Strohmann aufgebaut hat, der Teil der genannten Gewissheiten geworden ist. So wird jener Kritik pauschal und reflexhaft damit begegnet, sie würde sich gegen die Berücksichtigung der Interessen von minoritären bzw. diskriminierten Gruppen richten, ja gegen Feminismus, Anti-Rassismus usw. generell agitieren.

Dieses Verdikt ist sowohl in der Debatte über Wokeness omnipräsent als auch in der vorangegangenen Debatte über linke Identitätspolitik. Ich selbst habe das bereits 2019 im Kontext der Debatte über Identitätspolitik thematisiert. Die semantisch synchrone Iteration der Argumentationsmuster zeigt denn auch an, dass es sich um ein grundlegenderes Problem handelt, als es die Aufregung um »Woke« als »rechten Kampfbegriff« nahelegt. Es ist dies eine äußerst vulgäre Lesart, die sich latent etwa schon da findet, wo auf eine vermeintliche Ursprungsbedeutung von »woke« verwiesen wird. Daraus resultiert der oft gehörte Standpunkt, es ginge doch nur um eine Art Anstand gegenüber diskriminierten Gruppen. Manifest zeigt sie sich wiederum dort, wo das Verdikt artikuliert wird, hier würden rechte, rechtsextreme, neurechte oder auch alt-right-Narrative reproduziert werden. Ein prominenter Diskutant, ein Physiker (und indessen nicht mehr Mitglied), spricht gar von einer »extremistischen Anti-Woke-Fraktion«, die versuche, »jeden Einsatz für gesellschaftliche Fairness schlechtzureden«. Eine solche unverblümte Dämonisierung – das nur nebenbei – steht klar im Kontrast zur Behauptung des Vorsitzenden, man bitte doch nur darum, darauf zu achten, »wem das Verbreiten bestimmter Narrative und das Nutzen bestimmter Rhetorik politisch nutzt«.

Jene Dämonisierung funktioniert so, dass man (grob, aber durchaus zutreffend) die Woke-Kritik der extremen Rechten (in der Tat eine regressive, gegen Feminismus und Anti-Rassismus gerichtete) charakterisiert – und dann (völlig unzulässig) auf linke/liberale Kritiken an dem Phänomen projiziert, die dieses auf seine progressive Zweckdienlichkeit hin prüfen. Nur durch diese unredliche Verkettung lässt sich die plumpe Dichotomie konstruieren, die man als Abwehrkampf gegen eine »anti-progressive Agenda« zu framen versucht. Ein stückweit ist diese radikale Engführung, die jeder Differenzierung spottet und GWUP-Mitglieder »mit Demagogen wie Donald Trump, Vladimir Putin oder Victor Orban« in Verbindung bringt, nachvollziehbar: Es sind immerhin talking points, die in manchen Kreisen populär geworden sind und mitunter auch von linken Akademikern vorgetragen werden. Wohlwollend wären die Äußerungen des Physikers etwa so zu interpretieren, dass er sich genau jener »Denkfaulheit« hingibt, die er eigentlich beklagt, also aus Bequemlichkeit oder Naivität derlei Übersimplifizierung einfach übernimmt. Sollte er dennoch Kenntnis von der gehobenen Debatte haben, die die Charakteristik linker/liberaler Woke-Kritik nicht einfach ausblendet, müsste man hingegen von – nun ja – Demagogie sprechen. In beiden Fällen handelt es sich um unqualifiziertes Gerede.

Wer sich also fragt, warum das Klima in der GWUP so vergiftet ist, findet in solchen Statements, die nicht etwa der Abwertung eines politischen Phänomens (wie man es vielleicht den Woke-Kritikern vorhalten könnte), sondern eben von Mitgliedern selbst dienen, die Antwort in kristallisierter Form. Es sind solche unredlichen Vereinfachungen, die eine repressive call-out culture begründen und Frontenbildung nach sich ziehen. Die Positionierung, es gäbe hier Alt-Right-Einflüsse, derer man sich erwehren müssen, wie es etwa rund um die letzte Mitgliederversammlung kolportiert wurde – etwa von jenem Physiker, der heute behauptet, er sähe es nicht ein, dass sich »der Verein in solchen Fragen positionieren sollte« –, ist folgenschwer. Dabei ist es unerheblich, ob man diese Mitglieder selbst des Extremismus bezichtigt oder, wie der Vorsitzende (auch Physiker), behauptet, man würde ›nur‹ extremistische Narrative verbreiten. In der gegenwärtigen Situation, wo die Ächtung »rechter« Einflüsse einigen zur moralischen Pflicht geworden ist, wirkt beides ehrabschneidend; es zwingt in die Verteidigung. Es verlangt aber auch nach Widerspruch, weil es schlichtweg falsch ist – und nichts mit den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Diskussion zu tun hat. Der Streit um Wokeness ist daher auch der Lackmustext für die GWUP, ob sie weiter für skeptisches, wissenschaftliches Denken steht – oder sich opportunistisch an populären Gewissheiten orientiert.

Kritisches Denken, das über die Mechanismen des group think erhaben ist, beweist sich erst dort wirklich, wo es unbequem wird; da, wo man sich in Widerspruch zu den Milieus setzen muss, mit denen man sozio-politisch verbunden, von deren Anerkennung man abhängig ist. Leider aber zeigt sich hier gerade eine fast schon absurder Niveauverlust, der ein »Wer nutzt welche Begriffe?« mit Sozialanalyse verwechselt. Es ist komisch, das überhaupt sagen zu müssen, aber so tief hat die epistemische Krise bereits die Diskussion gedrückt: Die Geschichten linker und rechter Ideologie, so man diese groben Schubladen schon nutzen will, kennen einige Gegenstände, die beiderseits kritisiert oder gar bekämpft wurden. So hat die extreme Rechte auch eine Kritik am (demokratischen) Staat, Teile von ihr auch am Kapitalismus. Trotzdem wird es (heute) allgemein als absurd betrachtet, jene Kritik mit linker Kritik an Kapitalismus, Staat oder auch Demokratie in Verbindung zu bringen. Die Stoßrichtung ist offenkundig eine andere. Selbst Marxismus und Kommunismus erfuhren von Beginn an eine linke Kritik, etwa seitens des Anarchismus, und später auch seitens der sich vom Marxismus emanzipierenden Sozialdemokratie. Niemand bei Verstand würde diese Kritiken mit dem Anti-Marxismus und Anti-Kommunismus der extremen Rechten in Verbindung bringen, auch wenn dabei – das lässt sich nicht vermeiden – gleiche oder ähnliche Begriffe auftauchen.

Beim Thema Wokeness bzw. linke Identitätspolitik findet diese Verbindung oder gar Gleichsetzung derzeit aber ständig statt. Und in der GWUP betreibt man diese Engführung auch noch besonders eifrig: Man setzt jene Phänomene, der vulgären Semantik entsprechend, einfach mit einer Achtsamkeit gegenüber den Anliegen diskriminierter Gruppen in eins; entsprechend versteht man Kritiken, die mit diesen Begriffen hantieren, als Angriffe auf jene Anliegen – so wie man es eben von Rechtaußen kennt. Allenfalls vermag man anzuerkennen, dass es woke Übertreibungen und Auswüchse gibt, die kritikabel seien; wer Wokeness aber grundsätzlich kritisiere, mache sich mit dem rechten Projekt gemein. Dass diese Kritik einer ganz anderen Semantik folgt, nimmt man nicht mal zur Kenntnis. Entsprechend blendet man die Genese der linken/liberalen Kritik an linker Identitätspolitik einfach aus; auch mit der wachsenden kritischen Literatur zum Thema befasst man sich nicht. Warum auch? Im eigenen Kategoriensystem handelt es sich dabei ja um die Verbreitung rechtsextremer Narrative. Der Denkverschluss führt auf diese Weise also auch noch zu Unwissen; man macht es sich in einem manichäischen Glaubenssystem bequem: hier die progressive, dort die anti-progressive Seite.

Mit den fortgeschrittenen Debatten zum Problemkomplex hat das wenig zu tun. Entschuldigen lässt sich das allenfalls damit, dass es durchaus einige akademische Stimmen gibt, die diesen Quargel begünstigen. Immerhin erleben wir eine Verflachung der Sozialwissenschaften, bei der viele mittelmäßige Nachwuchswissenschaftler unter erhöhtem Publikationsdruck eine Menge halbgarer Arbeiten produzieren. So auch zum Trendthema Rechtsextremismus. Konzeptionelle Genauigkeit oder analytische Konsistenz und Tiefe sind hier kaum mehr gegeben: Themen oder auch nur Wörter werden da gleich zu »Narrativen«; und dass rechtsextreme Akteure mit ihnen hantieren, macht diese sodann zu rechtsextremen, selbst wenn sie ursprünglich von links bearbeitet wurden. Gehen hingegen auch Linke jene Themen an oder arbeiten (weiterhin) mit ähnlichen Wörtern, werden diese selbstredend nicht zu linken Narrativen; jene Akteure sind dann quasi vom Rechtsextremismus infiziert. Es ist eine Einbahnstraße im Denken, die immer zum gleichen Ergebnis führt. Damit fällt man sogar hinter die nicht sonderlich anspruchsvolle Forschung zur Normdiffusion zurück. Diese machte sich immerhin noch die Mühe, Inhalte auf ihre Substanz hin zu analysieren, um festzustellen, ob es sich bei solchen Koinzidenzen tatsächlich um die Übernahme von Ideen – oder doch um etwas im Wesen anderes handelt.

Ja, auch in den Sozialwissenschaften gibt es eine epistemische Krise. Insbesondere die vielen Arbeiten zum Rechtsextremismus produzieren viele qualifizierende bzw. interpretative Aussagen, die dann nicht nur innerakademisch zum selbstreferentiellen System werden. Sie werden auch im (sozial-)medialen Diskurs als wissenschaftliches Wissen kolportiert, obwohl sie im wissenschaftlichen Sinne gar nicht beweisbar sind. Hier gäbe es einiges an Arbeit für den Skeptizismus. Angefangen bei der Frage, ob es sich bei Woke-Kritik bzw. bei bestimmten Formen dieser tatsächlich um rechtsextreme Inhalte handelt. Dass sich Rechtsaußenakteure darin üben, reicht für so einen Befund nicht aus. Nazis reden eben nicht nur Nazisachen. Eine solche Logik macht allerlei Inhalte zu rechtsextremen, sobald sie von entsprechenden Akteuren nennenswert geteilt werden. Letztlich wäre da sogar eine Entwicklung, bei der Rechtsextreme moderate oder gar progressive Inhalte übernehmen, als Zunahme von Rechtsextremismus zu deuten. Will man analytisch sauber arbeiten, wäre vielmehr von den konstitutiven Elementen rechtsextremer Ideologie auszugehen – etwa der Vorstellung eines homogenen Ethno-Staats –, um zu bestimmen, ob ein Inhalt, der von rechtsextremen oder auch anderen Akteuren geteilt wird, ein spezifisch rechtsextremer ist.

Eine solche konzeptionell fundierte Analyse findet vielerorts kaum bis gar nicht statt. Deswegen stehen wir vor einer Situation, in der allerlei Akteure mit dem Rechtextremismus in Verbindung gebracht werden, auch wenn deren politisches Portfolio insgesamt klar links oder liberal bzw. progressiv ist. Allein das Element der Woke-Kritik genügt da, um alle anderen Eigenschaften zu überschreiben. Und das selbst, wenn diese Kritik nicht einmal rechtsextrem verargumentiert ist. Dabei ist genuin rechtsextreme Woke-Kritik wahrlich nicht schwierig zu identifizieren. Eine solche sieht zum Beispiel in Feminismus oder Antirassismus Bewegungen – mitunter gar gezielte Verschwörungen –, die die Reproduktion von Volkskörper und Volksgemeinschaft unterminieren (sollen), beklagt einen anti-weißen Rassismus oder sieht in Abweichungen von der Heteronormativität abartiges Verhalten. Wie das exemplarisch aussieht, davon kann man sich hier plastisch ein Bild machen, wenn man das Stichwort »woke« in der Suchfunktion eingibt. Von derlei regressiven, ja reaktionären Inhalten unterscheidet sich die Substanz linker/liberaler Kritik an Wokeness ganz fundamental. Keine Rede kann davon sein, dass von dieser »Feminismus, Antirassismus oder Einsatz für die Rechte sexueller Minderheiten … als Gefahr dargestellt« werden, wie es besagter eifriger Physiker beklagt.

Im Gegenteil: Die Stoßrichtung jener Kritik ist in aller Regel eine progressive. In ihrem Zentrum steht häufig das Argument, dass linke Identitätspolitik feministischen und antirassistischen Anliegen schade, z.T. sogar selbst ins Regressive kippe, indem es rechtsextreme Denkmuster invertiere oder rechtsextreme Kräfte unbeabsichtigt stärke – und damit die subalternen Subjekte, die es zu stärken gelte, letztlich gefährde. Sie handelt auch davon, dass Prinzipien des aufgeklärten Denkens und des Universalismus unterminiert würden, ja sogar die offene Gesellschaft Schaden nehmen könnte. Warum auch sollte das nicht denkbar sein? Viele progressive Bewegungen sind in der Geschichte bereits ins Regressive gekippt, während sie sich in moralischer Überlegenheit wähnten. Das Weber‘sche Konzept der Gesinnungsethik oder das Merton‘sche Konzept der unbeabsichtigten Nebenfolgen gehören nicht umsonst zum soziologischen Grundlagenrepertoire. Woke-Kritik von linker/liberaler Seite ist daher eher als kritischer Progressivismus zu verstehen; er fügt dem Diskurs mehr Grautöne hinzu, steht für Differenzierung und Entpolarisierung, hat ein Gegner-, kein Feindbild. Der dogmatische Progressivismus löscht hingegen Grautöne aus; er steht für Polarisierung und Entdifferenzierung, baut auf einem auszuschließenden Feindbild.

Womit wir beim semantischen Kern der aufgeklärten Woke-Kritik angelangt sind, der ein elaborierteres Verständnis von linker Identitätspolitik bereithält. Die Deutungen variieren hier zwar zwischen philosophischen, psychologischen und politisch-kulturellen Betrachtungen, gemein ist ihnen aber, dass sie Wokeness nicht einfach als Synonym für subalterne Interessenpolitik begreifen, sondern eben als spezifischen Modus von Feminismus, Antirassismus usw. Das ist bei allen ernstzunehmenden Analysen, die sich um eine generische Bestimmung des Phänomens bemühen und nicht einfach Begriffshuberei betreiben oder auf gut gemeinte Absichten abstellen, mehr oder weniger deutlich als Quintessenz zu vernehmen. Darüber ließe sich auch Bescheid wissen, wenn einen das Narrativ vom rechtsextremen Narrativ nicht zur Ignorierung jener Literatur und gar zur Leugnung der langen Geschichte linker Kritik an identitätspolitischer Theorie und Praxis zwingen würde. Vergessen ist offenbar schon jetzt, dass der aktuelle Debattenzyklus im Wesentlichen ins Rollen gekommen ist durch Leute wie Didier Eribon, einem linken Philosophen. Oder dass es innerhalb der (radikalen) Linken eine lebhafte Debatte über das Verhältnis von Klassenpolitik und Identitätspolitik gab. Wer das nicht leugnet, kann jenes Narrativ eigentlich nicht aufrechterhalten. Außer man will wirklich auf dem Niveau diskutieren, dass Rechte das Wort »woke« benutzen.

Genau genommen hat die Auseinandersetzung um linke Identitätspolitik sogar einen sehr langen Vorlauf. Und immer wieder kam es dabei bei den dogmatischen Progressiven zu Versuchen, Kritik von anderen Progressiven als rückschrittlich zu diffamieren und so dem feindlichen Lager zuzurechnen. Der orthodoxe Marxismus etwa, der eine pseudowissenschaftliche Ideologie rund um einen angeblichen proletarischen Standpunkt zimmerte, brandmarkte seine innerlinken Gegner als kleinbürgerlich oder gar klassenverräterisch. Auch im Kontext antikolonialer Kämpfe wurde etwa die Kritik an der standpunkttheoretisch begründeten Hörigkeit gegenüber nationalistischen Befreiungsbewegungen als reaktionär eingestuft. Sinnbildlich hierfür steht etwa der Konflikt zwischen Jean-Paul Sartre und Albert Camus, wobei letzterer als Kolonialist verschrien und in der Linken marginalisiert wurde. Zugleich hatte sich Ersterer auch in einer Apologetik der Sowjetunion geübt, die Letzterer von links kritisierte: Gewiss gäbe es Auswüchse; eine Generalkritik würde aber dem berechtigten Kernanliegen des Kommunismus schaden und der Reaktion in die Hände spielen, so die Sartre-Fraktion. Wir haben es also mit einem wiederkehrenden Muster zu tun, bei dem sich Teile des vermeintlich progressiven Lagers in einem Denkverschluss verlieren, der sie in den Relativismus treibt.

Selbst der kritische Rationalismus von Karl Popper, der für den Skeptizismus nicht ganz unwesentlich ist, gründet auf dieser Erfahrung. Denn dieser entwickelte seine Kritik des Relativismus ja gerade vor dem Hintergrund prototypischer Standpunktepistemologien. Popper nahm damit die Kritik an der linken Identitätspolitik von heute vorweg, die sich ja gerade dadurch auszeichnet, dass sie »die Person des Denkers und nicht seine Gedanken in Betracht zieht«, wenn für sie die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe maßgeblich im Prozess der Wahrheitsfindung wird – häufig als Anstand gegenüber den Diskriminierten und Rücksicht auf ihre Gefühle verklärt. Ganz in diesem Sinne kann es auch bei einer skeptischen Woke-Kritik nicht einfach um eine Kritik von Auswüchsen und Übertreibungen gehen, sondern um die epistemischen Grundlagen, die »gefühlte Wahrheiten« auch im vermeintlich progressiven Lager salonfähig machen. Gewiss, in der Kritik werden häufig die kulturellen Techniken diskutiert, die augenfällig für derlei Auswüchse stehen: call-out culture, cancel culture, rigider Radikalismus, Kontaktschuld, der Vorwurf der kulturellen Aneignung, die Praxen der moralischen Erpressung oder auch das Moralspektakel insgesamt, usw. Hintergründig geht es dabei aber stets um die standpunkttheoretische Alternativepistemologie, mit der diese Techniken verrechtfertigt werden.

Das gleiche gilt für die viel diskutierten diskursiven Ausprägungen, die sich konzentrisch um das Woke-Phänomen herum bilden, insbesondere jene, die es gesellschaftlich so wirkungsmächtig machen. Dazu zählen etwa die verschiedenen Narrative der Kritikabwehr, die ganz verschiedene Diskussionsstränge immer wieder zu rechten Narrativen erklären, wie hier bereits dargelegt. Oder auch – damit zusammenhängend – die um sich greifende Aberation der ad-hominem-Argumentation, die Aussagen nicht mehr aus der Sache heraus begründet bzw. enkräftet, sondern etwa negiert mit dem projektivem Verweis auf politische Akteure, die diese teilen oder etwas ähnliches sagen. Auch das ist Ausdruck eines irrationalen Relativismus, da damit Wahrheit relativ insofern gemacht wird, als sie im Verhältnis zu den Eigenschaften ihres Verkünders bewertet wird. Der in der GWUP-Debatte öfters zu hörende Schrei »Aber die AfD!« zeugt von diesem unemanzipierten und gar nicht skeptischen Denken, das sich bei der Prüfung von Aussagen von der Positionierung rechtsextremer Akteure abhängig macht. Darüber hinaus delegiert dieser epistemische Modus dann auch noch Fragen der Wahrheitsfindung an vermeintliche Vertreter einer Betroffenengruppe, wie es Yascha Mounk beschreibt. Man zelebriert damit regelrecht die eigene Unmündigkeit, die insbesondere Anhänger der Intersektionalität in der Gesellschaft, aber auch in der Wissenschaft ausgeweitet sehen möchten.

Hier wird es für die GWUP besonders relevant. Das nicht nur, weil der interne Konflikt vieles bestätigt, was linke/liberale Woke-Kritik schon länger sagt. Gewiss, die Fraktion der Kritikabwehr steht sicher nicht für idealtypische Identitätspolitik, wie sie von expliziten Befürwortern einer Alternativepistemologie, etwa engagierten Intersektionalisten, repräsentiert wird. Man verhält sich dazu aber familienähnlich, insofern man sich einige ihrer features – und nicht nur Wörter oder Themen! – zu eigen gemacht hat, die der Stabilisierung des Phänomens im öffentlichen Diskurs dienen. Teils aus Überzeugung, teils aus Opportunismus. Und wie auch in anderen gesellschaftlichen Räumen, wo sich die Kulturtechniken der Identitätspolitik breit gemacht haben, kommt es hier zu den entsprechenden Konflikten, die die damit verbundenen diskursiven Engführungen hervorrufen. Die Raumgreifung der alternativepistemologischen Momente, insbesondere ihr ächtender Output, führt eben zu Verwerfungen, die sich aufgrund der semantischen Differenzen nur noch schwer verhandeln lassen. Manche meinen genau das, wenn sie von »Kulturkampf« sprechen: ein Begriff, der bezeichnenderweise ebenso reflexhaft als bloß »rechter Kampfbegriff« abgetan wird, obwohl er sich durchaus sozio-politisch plausibilisieren lässt. Denn im Grunde geht es dabei um eine »epistemische Scheidung«: Es treffen hier unterschiedliche Kulturen der Wahrheitsfindung aufeinander.

Zum anderen finden diese Entwicklungen auch und gerade in den (Sozial-)Wissenschaften statt. Als Wissenschaftsorganisation muss sich die GWUP dazu verhalten: Es geht hier letztlich um die epistemischen Grundlagen der Wissenschaft. Martin Mahner hat dieses Problem mit Blick auf die sog. Critical Studies (CS) und ganz im Popper‘schen Geiste treffend als »erkenntnistheoretischen Relativismus« beschrieben. Hingegen zeigt die umfassende Reaktion einer anonymen Autorengruppe, dass sie gar nicht begriffen hat, was der epistemologische Kern des Problems ist, wenn sie beklagt, dass die gesamten CS, die sie als »Disziplin« halluzinieren, unter Verdacht gestellt würden. Denn ja, natürlich tut man das. Aber eben – semantische Differenz lässt grüßen – in einem ganz anderen, elaborierteren Sinne, als es die CS-Apologeten meinen. Denn es ist hier eben keine (Sub-)Disziplin wie etwa Ethnologie oder Geschlechterforschung gemeint – und auch nicht einfach eine wertegeleitete Forschung in diesen Bereichen. Es meint vielmehr jene akademischen Ansätze, die auf politisch-theoretisch eingespeisten Grundannahmen basieren (queer theory, critical race bzw. whiteness, post-colonialism usw.) und auf dem epistemischen Modus linker Identitätspolitik aufbauen. Insbesondere intersektionale Ansätze gründen explizit auf standpunkttheoretischen Dispositionen, die Betroffenengruppen etwa als »epistemisch privilegiert« ausweisen und deren imaginierte Perspektive zu einer neuen Wissensautorität essenzialisieren.

Die GWUP hat diesen Tendenzen nicht weniger skeptisch zu begegnen als etwa der Waldorf-Pädagogik. Auch diese mag ein gutes Anliegen haben; mit Blick auf ihre wissenschaftliche Funktionalität ist ihre Grundanlage aber zu hinterfragen. Erinnert sei hier abschließend noch daran, dass die Linke schon einmal pseudowissenschaftliche Ansätze in den (Sozial-)Wissenschaften etablierte, nämlich als der Marxismus zunehmend in die Seminare Einzug hielt und sein politisch-epistemischer Modus nicht wenigen gar als wissenschaftliche Methode galt. Es wäre heute absurd, das damit zu rechtfertigen, dass das Marxismus-Phänomen doch von Anstand und Achtsamkeit gegenüber der subalternen Gruppe der ausgebeuteten Arbeiter motiviert sei; und dass doch nur einzelne Outputs wirklich problematisch seien. Ist damit der Marxismus in Bausch und Bogen delegitimiert? Keineswegs. Es mag damit jeder halten, wie es ihm beliebt – und wie bei Mātauranga Māori mag man darin vielleicht sogar nützliches Wissen finden. Und doch hat auch er, wie die Waldorf-Pädagogik oder die Esoterik, kein Recht, in die akademische Tradition aufgenommen zu werden. Die Wissenschaft hat frei zu sein von doktrinären Gedankengebäuden.

Es ist dieser Anspruch, den linke, liberale und auch konservative Woke-Kritiker im akademischen Bereich gleichermaßen vertreten. Sie teilen die metapolitische Norm der Aufklärung, dass die Wissenschaft unpolitisch zu sein hat in dem Sinne, dass der Erkenntnisprozess nicht doktrinär zugerichtet sein darf. So betrachtet ist »Team Sebastiani« quasi-politisch: Es will den Ausschluss jener epistemischen Ansätze aus dem Rahmen der Wissenschaft (zumindest prüfen), die nicht den binnenwissenschaftlichen Ansprüchen entsprechen, also einen kritischen Rationalismus von ihrer Anlage her ausschließen. »Team Hümmler« steht hingegen für eine tatsächlich politische Politik, die eine solche substantielle Prüfung im Rahmen der Organisation ausschließen will – nämlich auf der Grundlage extrawissenschaftlicher, d.h. politischer Zuschreibungen. In diesem Sinne sind die beiden Pole unvereinbar.

Und doch besteht – persönliche Verwerfungen mal ausgeblendet – ein Ausweg, der sich beim Blick auf die Asymmetrie des Konflikts offenbart. Die eine Seite möchte die Einflüsse relativistischer Doktrinen in den Wissenschaften prüfen; das schließt die Arbeit der anderen Seite nicht aus, sie liegt lediglich im kritikablen Bereich. Der Antagonismus bewegt sich hier also auf dem Level einer innerprogressiven Gegnerschaft; man sieht sich im Widerspruch zu dem, was als dogmatischer Progressivismus aufgefasst wird. Die andere Seite hingegen hält genau diesen radikal-kritischen Ansatz für rechtsextrem bzw. anti-progressiv eingefasst und verortet ihn damit im nicht tolerablen Bereich, woraus – ganz folgerichtig – eine Ächtung desselbigen folgt. Man steht dem also in Feindschaft gegenüber. – Gegner aber können co-existieren, Feinde nicht.

Siehe dazu auch: »Nach Ausgburg«, persönliche Meldung vom 14. Mai 2024 zum Ausgang der GWUP-Wahl 2024; sowie Gunnar Schedel, »Die GWUP hat einen neuen Vorstand. Der Richtungsstreit bei den deutschen Skeptikern ist erstmal entschieden«, auf: Humanistischer Pressedienst, 13. Mai 2024 (online hier).