19. März 2025 |
Sie schwadronieren über »Globalisten« und verfolgen selbst eine internationale Regime-Change-Agenda. Die Verve, mit sich der Trumpisten wie Elon Musk in die Belange anderer Länder einmischen, lässt selbst die verschwörungsideologischen Soros- oder Gates-Geschichten blass erscheinen. Auch J.D. Vances Rede in München war eine beispiellose Einmischung unter westlichen Partnern. Eine Wehklage über die bedrohte Meinungsfreiheit in Europa trug er dort fort; dieses würde sich aus der westlichen Wertegemeinschaft verabschieden. Geschenkt, dass jene Einmischung wie auch die ganze Innen- und Außenpolitik der US-Regierung kaum in jener Tradition stehen – oder dass die Qualität einer Demokratie von deutlich mehr Faktoren abhängt als dem Umgang mit inzivilen Internetkommentaren. Was die Argumentation des US-Vizes und Autors von Hillbilly Elegy v.a. zu einem geistigen Armutszeugnis macht, ist das hinterwäldlerische Politikverständnis, das aus seiner bigotten free speech elegy spricht. Die Erwägungen über Meinungsfreiheit sind nicht nur ein demokratietheoretischer Totalausfall, sie haben auch nichts mit der US-Geschichte zu tun, auf die sich der angeblich Intellektuelle beruft. Warum free speech in den USA ein Mythos ist, der eine lange Geschichte der Repression gegen Andersdenkende ausblendet, und warum der Trump’sche Neofeudalismus gewiss nicht für Meinungsfreiheit steht, habe ich für die Jungle World niedergeschrieben.
Kommentar: Holger Marcks, »Free Speech Elegy: J.D. Vances Rhetorik über freie Meinungsäußerung zeugt von Ahnungslosigkeit«, in: Jungle World, Nr. 11/2025 (online hier).
