Smells Like Tech Spirit

5. November 2026 |

Die neue Ausgabe von Machine Against the Rage ist draußen. Meine Kolleginnen und Kollegen haben ein paar spannende Untersuchungen und Analysen angestellt. Es geht um jugendlichen Rechtsextremismus auf Instagram und um die politische Einflussnahme technofeudaler Netzwerke in den USA. Außerdem wurde der Telegram-Radar um ein kleines Islamismus-Monitoring erweitert. Diese Nummer ist dann auch die letzte, die ich als Redakteur von MATR, dem wissenschaftlichen Online-Magazin für digitale Konfliktforschung, begleitet habe. Nach zehn (mit dem Pilot: elf) Ausgaben endet diese Aufgabe bald. Checkt gerne nochmal aus, was wir in diesen fünf Jahren so alles an Untersuchungen und Analysen auf die Beine gestellt haben. Eine Übersicht aller Ausgaben findet sich hier.

Release: Machine Against the Rage, »Smells Like Tech Spirit. Rechtsextreme Jugendgruppen und autoritäre Schulterschlüsse«, Ausgabe Nr. 10 des Online-Magazins für digitale Konfliktforschung, Spätjahr 2026 (online hier).

Pro-regressive Linke

4. November 2026 |

Wenn von Querfront die Rede ist, geht es meist um Elsässer, Wagenknecht & Co. Dabei suchen auch andere Teile der Linken immer wieder den Schulterschluss mit autoritären, nationalistischen und anderen fragwürdigen Bewegungen. Darauf hat Ralf Fücks, Mitgründer des Zentrums Liberale Moderne, jüngst in einem Interview mit der Zeit hingewiesen: Die postkoloniale Linke bringe wie schon die antikoloniale Linke ein Crossover mit antiaufklärerischen und antiliberalen Kräften hervor. Da genau dieses Problem, also wie progressive Bewegungen reaktionäre Dynamiken hervorbringen und sich das dennoch als fortschrittlich rationalisieren, längere Zeit Gegenstand meiner Forschung war, habe ich mir dazu ein paar Anmerkungen erlaubt. Sie bauen unter anderem auf Analysen aus dem sozialrepublikanischen Panorama dazu auf, wie sich die antikoloniale Linke durch verquere Freund-Feind-Bilder mit Despoten gemein machte – und wie sich diese pro-regressive Logik in der Neuesten Linken postkolonialer Prägung fortsetzt.

Artikel: Holger Marcks, »Postkoloniale Querfront: Das reaktionäre Potential der Linken«, auf: The Social Republic, 3. November 2026 (online hier).

Mehr links wagen?

31. Oktober 2026 |

Im NDW-Talk sprechen Christian Stecker und ich alle paar Wochen über Repräsentationsprobleme anhand aktueller Entwicklungen. Ohne großen Schickschnack. Aber mit Gästen, die jene Probleme ohne Scheuklappen analysieren. In der zweiten Folge zu Gast ist Laurenz Guenther. Er ist politischer Ökonom und forscht zu politischer Repräsentation, Migration und Populismus.Im neuen NDW-Talk sprechen wir mit ihm über den neuesten narrativen Spin im linken Lager nach der Zäsur von Sachsen-Anhalt: Es brauche mehr linke Politik als Antwort auf die AfD. Wir setzten das ins Verhältnis zum Problem der kulturellen Repräsentationslücke und diskutieren, welche Rolle Migration dabei spielt – und warum es in linken Lösungsansätzen weiterhin umschifft wird.

Audio-Talk: Holger Marcks & Christian Stecker (feat. Laurenz Guenther), »It’s the Culture, Stupid! | Mehr links wagen? | Dauerbrenner Migration«, Neue Demokratische Welle, Folge 2, 30. Oktober 2026 (auf Spotify hier; weitere Infos hier).

Broke Antifa

30. Oktober 2026 |

Warum geht der »Kampf gegen rechts« nach hinten los? Darüber sprach ich am Dienstag beim Villa Merländer e.V., dem Verein hinter der NS-Dokumentationstelle der Stadt Krefeld. Wir schauten genauer auf die Mechanismen, durch die der vorherrschende Antifaschismus neolinker Prägung co-polarisierend wirkt. Zum Beispiel auf die Abstoßungseffekte, die das linke Lager vor allem jenseits bildungsbürgerlicher Milieus erzeugt – und wie sich das in rechte Raumgewinne übersetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei die falschen Gewissheiten und soziokulturellen Differenzen. Sie begründen strategische Irrwege und einen klassenförmigen Kulturkampf, auf dem der politische Rechtsruck aufsetzt.

Vortrag: »Dysfunktionaler Antifaschismus. Wie der Kampf gegen rechts nach hinten los geht«, beim Villa Merländer e.V. Krefeld, 27. Oktober 2026 (Vorbericht hier).

Spreegeschwurbel

16. Oktober 2026 |

Warum die Berliner Linkspartei eine loose cannon ist, mit der sich keine verantwortliche Politik machen lässt, habe ich für die Ruhrbarone aufgeschrieben. Das Bild von der Partei als Schutzmacht der Mieter, wie es auch einige Journalisten kolportieren, wenn sie sich deren Erfolg erklären wollen, ist ziemlich schief. Man darf nicht vergessen, dass die Partei auch in der Hauptstadt ihren großen Aufschwung im Wahlkampf zur BTW 2025 erfuhr. Da band sie viele junge Wähler aus dem linken Lager über die Antifa-Karte an sich. Auch Gaza/Israel spielt parallel eine Rolle, insbesondere bei muslimischen Wählern. Überhaupt sind in die Partei viele junge Menschen eingeströmt, die ein alt- und neolinkes Patchwork bilden. Damit kann man gewisse Höhen erreichen; eine Politik, mit der sich die AfD zurückdrängen ließe, folgt daraus sicher nicht. Die Potentiale der Partei liegen fast ausschließlich im linken Lager. Wo ihr Einfluss wächst, nimmt Polarisierung implizit zu. Wie manche meinen können, mit noch mehr von dem, was AfD-affine Milieus aufbringt, ließe sich dem Rechtsruck begegnen, bleibt ein Rätsel. Und ebenso diese sonderbare Verklärung der Jugend. Denn gerade hier findet derzeit linkerseits eine starke Emotionalisierung von Politik statt, die ins Irrationale abgleitet. Auch weil die Partei sehr stark von diesem Vibe der TikTok-Dramatisierung geprägt wird, verspricht sie viel Theater.

Artikel: Holger Marcks, »Spreegeschwurbel: Berlin auf dem Weg in die Kakistokratie?«, auf: Ruhrbarone, 15. Oktober 2026 (online hier).

NDW, Folge 1

9. Oktober 2026 |

Was läuft schief in der real existierenden Demokratie? Mit Christian Stecker habe ich mich vor ein paar Tagen zum Gespräch zusammengefunden, um über Repräsentationsprobleme der Berliner Republik zu sprechen. Insbesondere interessieren uns beide ja Fragen zum Feintuning der Demokratie: Wahlsysteme, Parteiwesen, Wählerstrukturen, Spielregeln. Konkret ging es diesmal um die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. Außerdem haben wir die Gelegenheit genutzt, um mit Anne Kupke-Neidhardt über die (nicht vorhandene) Brandmauer in Heidenau zu sprechen, wo ein Beschluss zum Stopp von Stolpersteinverlegungen öffentliche Aufregung erzeugte. Wir werden das sicherlich öfters machen. Weitere Infos zum Audio-Talk gibt es hier.

Audio-Talk: Holger Marcks & Christian Stecker, »Die Frau aus MV gegen schwarz | Berliner Verhältnisse | Blackbox Heidenau«, Neue Demokratische Welle, Folge 1, 8. Oktober 2026 (auf Spotify hier; weitere Infos hier).

Demokratie nach dem Stresstest

3. Oktober 2026 |

Unter diesem Titel wurde am vergangenen Mittwoch in der ZEIT-Kantine Hamburg diskutiert, wie es um die Demokratieförderung steht. Nach den drei Landtagswahlen kamen dort am Abend auch die unbequemen Fragen auf den Tisch. Zum Beispiel: »Gibt es auch eine Schattenseite von zu viel Aktivismus, und erreicht die Demokratieförderung gemessen an den Wahlergebnissen ihr Ziel?« Auch ich war Teil dieser spannenden Runde. Unter anderem brachte ich dort meine Argumente ein, warum ich eine aktive Depolarisierungspolitik für sinnvoller halte als die bisherige Ausrichtung des sogenannten Kampfs gegen rechts, der aus verschiedenen Gründen co-polarisierend wirkt. Zu der vom Bundesverband Deutscher Stiftungen organisierten Runde gehören noch Sonja Anders (Intendantin des Thalia Theaters Hamburg) und Melanie Stein (Initiative »Wir sind der Osten«). Moderiert wurde sie von Leonie Seifert, der stellvertretenden Chefredakteurin der ZEIT.

Disko: Demokratie nach dem Stressstest. Podiumsdiskussion mit Sonja Anders und Melanie Stein (Moderation: Leonie Seifert), organisiert vom Bundesverband Deutscher Stiftungen zum Tag der Stiftungen, ZEIT-Kantine Hamburg, 30. September 2026 (Kurzbericht hier).

80 Millionen Bundeskanzler

1. Oktober 2026 |

Gestern erschien mein neuer Kommentar für das Politische Feuilleton von Deutschlandfunk Kultur. Es geht darin darum, dass sich mit den sozialen Medien eine neue Norm etabliert hat: die der Veröffentlichungsfreiheit – auch »freedom of reach« genannt. Und darum, was es mit einer Gesellschaft macht, wenn nun Hinz und Musk ständig zu allem ihren Senf in die Welt posten: Die digitalen Bürger rücken sich gegenseitig auf die Pelle. Mit der Freiheit der Anderen muss man erstmal klarkommen. Die sozialen Medien sind gewiss ein wichtiges Korrektiv. Es lassen sich wichtige Perspektiven einbringen, die sonst an Gatekeepern scheitern. Auch ist es nachvollziehbar, warum Menschen Meinungsfreiheit nun weiter begreifen. Ohne Plattform findet man einfach nicht statt. Aber machen wir uns nichts vor. Dass wir nun gefühlt 80 Millionen Bundeskanzler haben, hat auch manches kakistokratisches Potential.

Audio-Kommentar: Holger Marcks, »Meinungsfreiheit – ›Freedom of reach‹ statt ›freedom of speech‹?«, auf: Deutschlandfunk Kultur, 30. September 2026 (online hier).

Leftist Fails

30. September 2026 |

Dem Online-Magazin Perspective Daily habe ich ein langes Interview zur Rolle des linken Lagers bei politischer Polarisierung und Rechtsruck gegeben. Dabei geht es allerdings weniger darum, wie Linke Wähler nach rechts treiben, wie es der Titel anzeigt, sonder eher um Wirkungen linker Politik, durch die Diskurse blockiert werden und sich die Gesamtkonstellation verschiebt. Etwas genauer gehe ich in dem mit Lena Bäuker geführten Interview auch darauf ein, welche Rolle das Thema Migration bzw. demographischer Wandel dabei spielt und warum die linke Vorstellung, AfD-Potentiale durch Sozial- und Wirtschaftspolitik reduzieren zu können, ohne migrations- bzw. integationspolitische Konzessionen nicht funktionieren dürfte. Die Tragweite der migrationspolitischen Fragen hat man linkerseits bei Weitem nicht begriffen. Noch weniger, wie daran die Republik blockiert und damit Zukunftsaussichten verspielt wurden.

Interview: »Diese Fehler der Linken treiben Wählende nach rechts« (im Gespräch mit Lena Bäuker), auf: Perspective Daily, 30. September 2026 (online hier).

Linke Militanz

17. September 2026 |

Was ist linke Militanz, wo kommt sie her, welcher Logik folgt sie und welche Formen nimmt sie an? Davon handelte mein gestriger Key-Note-Vortrag auf der Fachtagung »Linke Militanz« der Thüringer Stabsstelle Polizeiliche Extremismusprävention. Diese fand statt im beschaulichen Gotha, nicht weit entfernt vom überraschend schönen Erfurt. Der Vortrag ordnete Militanz als Brückenkonzept zwischen Einstellungen und Handlungen ein, von wo aus verschiedene Wege in die politische Gewalt denkbar sind. Welche das sind, hängt von der konkreten ideologischen Struktur der Akteure ab, die unterschiedliche starke Grundlagen für Gewaltlegitimation liefert und entsprechende Handlungen auf verschiedene Weise anleitet. Dabei stützte ich mich auf meine Forschung zu historischen Formen linker Militanz, insbesondere zum anarchisischen Terrorismus und zum Linksterrorismus der Neuen Linken, und schlug den Bogen zu heutigen Debatten über linke Militanz und deren Potentiale.

Vortrag: »Linke Militanz. Ursprünge, Formen, Dynamiken«, Key-Note-Vortrag auf der Fachtagung »Linke Militanz« der Thüringer Stabsstelle Polizeiliche Extremismusprävention in Gotha, 16. September 2026.