20. Februar 2026 |
Für den MATR-Blog Engine Room habe ich etwas über Nils Kumkars Buch Polarisierung geschrieben. Der Autor ist einer der wenigen Akademiker, der bei mir große Achtung genießt. Er denkt eigenständig, zuweilen gegen den Strich. Das ist in einem Berufsfeld, wo viel Opportunismus herrscht, selten. Und ich mag seinen Style – außer wenn er Schnauzer trägt. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Ich will nicht sagen, dass sie enttäuscht wurden. Es steckt da wieder viel Kluges drin. Aber man merkt, dass die Polarisierungsforschung nicht die eigentliche Domäne des Autors ist. So werden etwa die verschiedenen Ebenen und Dimensionen der Polarisierung vernachlässigt, so dass Kumkars Konzept der »kommunikativen Polarisierung« etwas in der Luft hängt. Vor allem mag ich mich mit zentralen Botschaften des Buchs nicht anfreunden, etwa, dass es eine Art Gegenpolarisierung gegen die spalterische Politik der »Anderen« brauche. Gewiss, es braucht offenen Streit über Interessen, Ziele, Programme, Strategien. Jedoch – und da steht Kumkar m.E. Kopf – muss das mehr den Streit mit dem »Wir« als mit dem »Anderen« meinen. Man muss die Spalter (aus den eigenen Reihen) spalten. Das ist die Dialektik der Depolarisierung.
Review: Holger Marcks, »Über Spaltung streiten. Nilks Kumkars Theorie der kommunikativen Polarisierung im Belastungstest«, auf: Engine Room, 19. Feb. 2026 (online hier).
