Jammern und Hassen

24. Dezember 2021 |

Warum ist rechtsextreme Rhetorik so gefährlich? In den letzten Jahren haben sich Wissenschaftler wie auch politische Entscheidungsträger darum bemüht, den Zusammenhang von extremistischer Online-Kommunikation und dem Anstieg rechtsextremer Gewalt aufzudecken. Insbesondere die Frage, welche Rolle die sozialen Medien bei der Verbreitung von Hassrede und in Radikalisierungsprozessen spielen, hat dabei viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Allerdings ohne die Triebkräfte der Gewalt wirklich identifizieren zu können.

Für einen Sammelband aus dem Dunstkreis des PANDORA-Projekts sind Janina Pawelz und ich daher mal einen Schritt zurück gegangen und haben die logische Funktionsweise rechtsextremer Online-Kommunikation analysiert, um so die vorgelagerten Prozesse zu beleuchten, die Hass konstituieren und Gewalt legitimieren. Herausgearbeitet wird dabei ein Netzwerk von Narrativen, die zu einer größeren Geschichte von nationalem Untergang und Erwachen konvergieren. Durch die Konstruktion einer Situation kollektiver Selbstverteidigung wird Gewalt zu einer logischen Option, auch wenn gewaltsames Handeln nicht explizit vorgeschlagen wird.

Beitrag: Holger Marcks & Janina Pawelz, »Vom Opfermythos zur Gewaltfantasie. Die Funktionsweise von rechtsextremen Bedrohungsnarrativen«, in: Ursula Birsl u.a. (Hg.), Inszenieren und Mobilisieren. Rechte und islamistische Akteure digital und analog, Opladen u.a. 2022, S. 81–107 (Open Access hier).

Faschos on Stage

13. Nov. 2021 |

Der digitale Rechtsextremismus zieht seine Aufmerksamkeit auch aus linken Empörungswellen. Wie sich solche Wellen aufbauen und wie sich das in einen Nutzen für faschistische Akteure übersetzt, die von Natur aus auf Feinbildaktivierung getrimmt sind, haben Maik Fielitz und ich für die Berliner Zeitung niedergeschrieben. Anhand der Ereignisse rund um die Frankfurter Buchmesse wird damit auch ein digitaler Antifaschismus problematisiert, der vor allem affektgesteuert funktioniert.

Gastbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »Rechte Verlage: Für Faschisten ist auch schlechte Presse gute Presse«, in: Berliner Zeitung, 13. November 2021 (online hier).

Zurück nach vorn

27. September 2021 |

Es sollte zunächst nur der vierte Teil meiner Reihe zu konstruktivem Sozialismus werden, die ich 2018 angefangen hatte. Dann wurde es ein Gemeinschaftsprojekt von Felix Zimmermann und mir. Und am Ende wurde es – dank der Hilfe verschiedener Kollegen – gar ein digitales (Hör-)Buch.

Wir wollten etwas Neues probieren. Zunächst einmal gedanklich. Und auch ein wenig praktisch. Mit einer neuen Art von Veröffentlichung eben. Heraus kam dieses »sozialrepublikanische Panorama«: ein multidimensionales Plädoyer für die Wiederbelebung der republikanischen Tradition.

Digitales (Hör-)Buch: Holger Marcks & Felix Zimmermann, Zurück nach vorn. Ein sozialrepublikanisches Panorama (Frankfurt a.M.: Verein für konstruktiven Sozialismus, 2021), www.soziale-republik.org.

When Counter-Speech Backfires

26. Juli 2021 |

What are the pitfalls of strategic online interaction? On this problem, Maik Fielitz and me wrote an overview for the Global Network on Extremism & Technology (GNET), explaining three main dilemmas democratic actors are facing when dealing with right-wing extremism in social media: the dilemma of polarization, the dilemma of truth and the dilemma of mobilization. The article is based on a chapter of our book Digitaler Faschismus: Die sozialen Medien als Motor des Rechtsextremismus, published in German last year. A short working paper on this topic (»Digital Fascism: Challenges for the Open Society in Times of Social Media«) can be found also in English at the Berkely Center for Right-Wing Studies (see here).

Blogbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »When Counter-Speech Backfires: Pitfalls of Strategic Online Interaction«, auf: Global Network on Extremism & Technology, 26. Juli 2021 (online hier).

Rechtsextreme Verflüssigung

30. Juni 2021 |

Rechtsextreme Akteure nutzten die sozialen Medien erfolgreich, um die Anziehungskraft ihrer Weltsichten zu erweitern. Das Gesicht der extremen Rechten hat sich dabei nachhaltig verändert. Sie hat sich regelrecht verflüssigt und wabert nun als toxischer Schleim durch die Gefilde der sozialen Medien. Zu diesem Problem haben Maik Fielitz und ich ein paar Argumente aus unserem Buch »Digitaler Faschismus« für Rantt Media und das Centre for the Analysis of the Radical Right (CARR) zusammengefasst.

Blogbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »How the Far Right is Going Liquid«, auf: Rantt Media, 28. Juni 2021 (online hier); sowie auf: Centre for the Analysis of the Radical Right, 30. Juni 2021 (online hier).

Im Haifischbecken

18. Juni 2021 |

Was macht Twitter so besonders, auch in Bezug auf die Bundestagswahl? Und woran sehen wir, dass jetzt schon von verschiedenen Seiten aktiv an einer Verschiebung der Debatten gearbeitet wird? Darüber habe ich mit Marvin Mendel und Alisa Schmitz im »Haifischbecken« gesprochen, dem Social-Media-Podcast des Hessischen Rundfunks.

Podcast: »Twitter und Debattenverschiebung: Wie wir der Polarisierung auf Social Media auf den Leim gehen«, Im Haifischbecken, auf: Hessischer Rundfunk, 18. Juni 2021 (online hier).

Im Kreisel der Erregung

1. Juni 2021 |

Mit der Konjunktur des Postfaktischen erweitert sich nicht nur das Potential von Verschwörungsideologien, sondern auch der politischen Polarisierung. Denn es erschwert die demokratische Verständigung, wenn sich geteilte Wahrheiten auflösen. Befördert wird dieser Prozess durch das postredaktionelle Prinzip der sozialen Medien, die Wahrheit noch mehr zu einer Frage der Identität machen. Welche digitalen Interaktionsmechanismen hierbei ineinandergreifen, habe ich für die Aktuellen Analysen der Hanns-Seidel-Stiftung kurz zusammengefasst.

Beitrag: Holger Marcks, »Im Kreisel der Erregung. Über politische Polarisierung in digitalen Zeiten«, in: Philipp W. Hildmann & Maximilian Th. L. Rückert (Hg.), Agitation von Rechts. QAnon als antisemitische Querfront (= Aktuelle Analysen, Nr. 85), München 2021, S. 44-52 (online hier).

Das Gegenteil von gut

3. Mai 2021 |

Was sind die Probleme der demokratischen Gegenrede in der Online-Interaktion? Einen kleinen Überblick über die Dilematta, mit denen sich demokratische Akteure bei ihrer digitalen Arbeit gegen Rechtsextremismus konfrontiert sehen (konkret: Polarisierungsdilemmma, Wahrheitsdilemma, Mobilisierungsdilemma), haben Maik Fielitz und ich für das Blog der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) zusammengestellt. Der Text basiert auf einem Kapitel (»Das erneuerte Paradox der Toleranz. Auswege aus dem digitalen Faschismus«) unseres Buchs Digitaler Faschismus, das im Oktober 2020 im Dudenverlag erschienen ist. Eine Lizenzausgabe erschien Anfang des Jahres auch bei der SLpB und anderen Landenszentralen.

Blogbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »Das Gegenteil von gut. Probleme der demokratischen Gegenrede in der Online-Interaktion«, Blog der Sächischen Landeszentrale für politische Bildung, 3. Mai 2021 (online hier).

Das Twitter-Elend

1. April 2021 |

Ja, eine Homepage. Die sozialen Medien nerven. Und es veranlasst zur Sorge, dass auch immer mehr Wissenschaftler in der dortigen shitshow mitmischen. Eigentlich schon schlimm genug, dass in der Wissenschaft alberne Ranking- und Ratingsysteme zunehmend wichtiger werden, die die Leute zum ständigen Publizieren zwingen – statt zum Nachdenken. Jetzt nimmt auch noch die akademische Jagd auf Follower an Fahrt auf. Als ob wir nicht um die Mechanismen der sozialen Medien wüssten, die postfaktische und affektive Dynamiken fördern. Als ob Akademiker frei wären von den Prozessen der Uniformierung und Emotionalisierung, die das Individuum zum Mitschwimmer eines digitalen Schwarms machen. Dafür gibt es keine Fonzies auf dem Cool-O-Meter.

Hier übrigens mein Twitter-Account: https://twitter.com/holger_marcks.