24. November 2023 |
Dass es sich bei der linken Identitätspolitik um einen epistemischen Modus von Politik handelt, der einer anti-aufklärerischen Wissenslogik folgt und damit den eigentlichen Emanzipationsbestrebungen der Linken schadet, darüber schreibe und spreche ich schon eine Weile. Gerne nahm ich daher an dem Gesprächsabend des Club Volantaire teil, der sich kritisch dem Phänomen widmete, das auch unter dem Begriff »Wokeness« verhandelt wird. Sieben Diskutanten versuchten dort konkret zu klären, wie sich das Zusammenspiel zwischen den Woken und den Rechten genau gestaltet. Immerhin bildet ein Pol in der Debatte über linke Identitätspolitik die Auffassung, dass diese im Kampf gegen Intoleranz gar nicht mal so gut wirke. Vielmehr wird darin eine engstirnige Verirrung gesehen, die die politische Linke, ja die Gesellschaft insgesamt spalte – und damit den Rechten nutze.
Dieser Frage nachzugehen, ist mehr als berechtigt. Zu offensichtlich ist, dass der identitätspolitische Ansatz im Kampf gegen rechts versagt. Als dominante Denkform im eher linken und linksliberalen Spektrum, die zunächst in linken Nischen keimte und dann alle Mitte-Links-Parteien beeinflusste, trägt jene Identitätspolitik eine Mitverantwortung für die aktuelle Situation: Wäre sie eine effektive Sache gegen Rechtsextremismus, gäbe es den Rechtsruck nicht. Die Frage ist daher vielmehr: Handelt es sich bei den Woken bloß um Akteure, die den Kräften von Rechtsaußen ungewollt in die Hände spielen, um »nützliche Idioten«, wie manche sagen? Oder stehen sie gar für eine Denkform, die regressive Momente mit dem Rechtsextremismus teilt – zum Leid der aufgeklärten, dialogfähigen Teile der Gesellschaft?
Geprächsabend: »Die Woken und die Rechten: Zwei Fäuste für die Gegenaufklärung?«, Club Volantaire, im Saalbau Gutleut zu Frankfurt a.M., 24. November 2024 (mehr Infos hier).