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Memifizierte Vorurteile

8. März 2024 |

Wie können Memes, die oft als harmlose Popkultur-Witze angesehen werden, zur Verbreitung diskriminierender Botschaften dienen? Welche Formen der Abwertung finden sich dabei insbesondere bei rechtsextremen und verschwörungsideologischen Akteuren auf Telegram? Diese Fragen behandeln wir in unserem neuesten Gastbeitrag in der ZEIT, basierend auf den Erkenntnissen aus unserem Trendreport Machine Against the Rage. Dort analysieren wir in der aktuellen Ausgabe, wie Memes als Mittel der politischen Kommunikation eingesetzt werden und welche Rolle Mehrdeutigkeiten bei ihrer Verbreitung spielen.

Gastbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »Meme: Kleine Bilder voller Vorurteile«, auf: ZEIT Online, 8. März 2024 (online hier).

Grün und blau geschlagen

27. Februar 2024 |

Erst die Vorkommnisse in Schlüttsiel, wo Vize-Kanzler Robert Habeck bedrängt wurde; dann die Absage des politischen Aschermittwochs der Grünen in Biberach. Die Stimmung gegen die Regierungspartei scheint sich aufzuhitzen. Das Thema beschäftigt auch die Medien; der Spiegel spricht gar von einer »Eskalation gegen Grüne«. Auch die »Tagesschau« hat sich damit nun befasst und diesbezüglich ein Gespräch mit mir geführt. Da es davon wie üblich nur ein Schnipsel in den Bericht geschafft hat, gibt es dazu ergänzend wieder mal ein Memo, in dem ich meine Einordnung der Angriffe auf grüne, aber auch blaue Politiker ausführlicher darlege.

Schnipsel: »Tagesschau« vom 27. Februar 2024, auf: Tagesschau, 27. Februar 2024 (Bericht hier; Memo da).

Hate Is Everywhere

17. Februar 2024 |

Vor Kurzem erschien die Studie »Lauter Hass – leiser Rückzug«, eine repräsentative Befragung von über 3.000 Internetznutzern zu Erfahrungen mit digitalem Hass. Herausgegeben wurde sie vom Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz, wissenschaftlich umgesetzt von Pollytix Strategic Research. Vorgestellt wurde sie außerdem auf einer Pressekonferenz des Bundesfamilienministeriums, von dem das Kompetenznetzwerk finanziert wird. Anlässlich der Studie hat das ND sich der Frage gewidmet, warum Populismus so erfolgreich in den sozialen Medien ist. Auch ich stand hier für ein Hintergrundgespräch zur Verfügung, von dem ein kleiner Teil im Text verarbeitet wurde. Eine ausführlichere Einordnung findet sich wie immer hier in einem Memo. Dieses beleuchtet mitunter kritisch die Schlussfolgerungen, die aus der Befragung gezogen und medial verbreitet werden – und erörtert die vernachlässigten Aspekte, die mit Blick auf Fragen der Wahrnehmung von Hass und Hetze, aber auch für Fragen der Polarisierung von Interesse sind.

Schnipsel: Joel Schmidt, »Soziale Medien: Algorithmen ohne Moral«, in: ND, 16. Februar 2024 (Artikel hier; Memo da).

Shame Is Fame

16. Februar 2024 |

Viel Wirbel um HoHo: Seit einem Stern-Beitrag, in dem eine Mutter über die Begeisterung ihres 14jährigen Sohnes für einen Podcast berichtete, der – so die Wehklage – »unsere Kinder mit radikalem Gedankengut« impfe und »AfD-Parolen unter Jugendlichen« verbreite, sind dessen Hosts, Hoss & Hopf, in aller Munde. Die beiden fielen bereits vorher in den Podcasts-Charts auf, aber erst mit dem Beitrag, der sein Echo in den sozialen Medien fand und damit die Redaktionsstuben triggerte, schafften sie es auf die nationale Medienbühne. Zwar will nun auch TikTok gegen die Inhalte der zwei Podcaster vorgehen, ihrer neuen Bekanntheit dürfte das aber keinen Abriss tun. Für manche ist eben auch schlechte Presse gute Presse. Was es mit dem Wirbel auf sich hat, versuchte man auch bei ZDF heute zu ergründen, auch mit Hilfe einer Einordnung meinerseits. Über das im Bericht enthaltene Fragment hinaus wird diese umfänglicher hier in einem Memo wiedergegeben.

Schnipsel: Jan-Frederik Fischer et al., »TikTok-Sperre für Podcast-Videos. ›Hoss & Hopf‹: Das steckt hinter dem Wirbel«, auf: ZDF, 16. Februar 2024 (Bericht hier; Memo da).

Unjust Kidding

30. Januar 2024 |

Text-Bild-Kombinationen mit popkulturellen Referenzen, auch Memes genannt, sind schon jetzt aus der digitalen politischen Kommunikation nicht wegzudenken. Auch Botschaften der Diskriminierung (mal subtil, mal manifest; mal eindeutig, mal mehrdeutig) werden damit gestreut, nicht selten in vermeintlich humorvoller Form. Der neue Trendreport der BAG »Gegen Hass im Netz« widmet sich daher der Frage, wie rechtsextreme und verschwörungsideologische Akteure auf Telegram die Kulturtechnik des Memes nutzen, um ihren Vorurteilen Ausdruck zu verleihen. Außerdem gibt es wie immer die Ergebnisse unseres fortwährenden Monitorings für das letzte Quartal.

Release: Machine Against the Rage, »Unjust Kidding. Die Klaviatur diskriminierender Memes«, Ausgabe Nr. 5 des Trendreports der BAG »Gegen Hass im Netz«, Winter 2024 (online hier).

Verborgene Pfade?

16. Januar 2024 |

Die Radikalisierung von Einzelpersonen ist ein Thema, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Dabei geht es oft um die Frage, wie und warum sich einzelne Menschen radikalisieren und welche Folgen das für unsere Demokratie und uns als Gesellschaft haben kann. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung hat nun ein Online-Dossier zum Thema veröffentlicht, das sich damit verbundenen Fragen sowohl mit Blick in die Vergangenheit als auch auf aktuelle Entwicklungen widmet. Herausgegeben von Robert Wolff, durfte ich den einführenden Beitrag schreiben, der analytische Probleme anhand der zentralen Begriffe in der Radikalisierungsforschung erläutert. Er basiert auf den konzeptionellen Überlegungen, die ich bereits 2019 in einem Behemoth-Beitrag veröffentlich hatte. Während dort der Fokus darauf lag, Radikalismus und Extremismus als konträre Rationalitäten zu verstehen, liegt er im Dossier auf dem Begriff der Militantisierung, der von Radikalisierung (und Extremisierung) abzugrenzen ist.

Beitrag: Holger Marcks, »Radikalisierung und Militantisierung: Eine notwendige Unterscheidung«, in: Robert Wolff (Hg.), Verborgene Pfade? Online-Dossier zum Thema Einzelradikalisierung, Wiesbaden 2024 (online hier).

Correctiv-Korrektiv

11. Januar 2024 |

Deutschland ist in Aufregung. Seit dem Bericht von Correctiv über ein Treffen in Postdam, auf dem u.a. der Rechtsextremist Martin Sellner zum Thema »Remigration« referierte, halten viele einen erneuten Aufstand der Anständigen für geboten. Das Treffen hat große mediale Aufmerksamkeit erzeugt und wird vor allem mit dem Plan einer »Deportation« von Millionen Ausländern und auch deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund in Verbindung gebracht. Mitunter ist von einer »Wanseekonferenz 2.0« die Rede, die als »Geheimtreffen« stattgefunden habe. Aufgrund der Teilnahme zweier AfD-Leute werden das Treffen wie auch der angebliche Remigrationsplan zudem stark auf die Rechtsaußenpartei projiziert. Warum hier etwas Zurückhaltung und eine differenziertere Betrachtung angemessen ist, als sie von der unsachlichen und dramatisierenden Collectiv-Darstellung in die Spur gebracht wurde, habe ich ZDF heute erklärt. Leider schaffte es aber, wie bei kondensierten Nachrichtenformaten üblich, nur ein Schnipsel der korrektiven Aussagen in den Bericht. Daher werden diese hier noch in einem persönlichen Memo wiedergegeben, samt einer weitergehenden Einordnung der Berichterstattung.

Schnipsel: Oliver Klein, Nils Metzger & Jan Henrich, »Nach Correctiv-Enthüllungen: AfD-Vertreter bekräftigen Ausweisungs-Pläne«, auf: ZDF, 11. Januar 2024 (Bericht hier; Memo da).

Grauzone → Blauzone

19. Dezember 2023 |

Wie ist der digitale Diskurs zum Umgang mit dem Rechtsextremismus strukturiert? Und zieht die extreme Rechte aus diesem selbst womöglich Nutzen? Diese Fragen behandeln Maik Fielitz und ich diesmal in der ZEIT, wo wir wie immer Inhalte aus unserem Trendreport aufbereiten. Konkret handelt es sich dabei um die Ergebnisse aus dem aktuellen Schwerpunktthema von Machine Against the Rage, in dem die Mechanismen analysiert werden, durch die sich die Debatte über die Eindämmung des Rechtsextremismus in Raumgewinne für denselbigen übersetzen kann.

Gastbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »AfD: Von der Grauzone in die Blauzone«, auf: ZEIT Online, 19. Dezember 2023 (online hier).

Videoclub Volantaire

12. Dezember 2023 |

Sehr schön dokumentiert wurde die Veranstaltung Ende November in Frankfurt am Main, die unter dem Titel »Die Woken und die Rechten: Zwei Fäuste für die Gegenaufklärung?« firmierte – und zwar filmisch. Der ganze Mitschnitt findet sich nun auch auf dem YouTube-Kanal des Club Volantaire. Geschnitten in drei Teile, sind dort alle Wortbeiträge von Till Randolf Amelung, Jörg Finkenberger, Chantalle El Helou, Eszter Kováts, Sinan Kurtulus, Sebastian Schnelle und mir zu sehen und zu hören, außerdem das Grußwort von GWUP-Gründer Amardeo Sarma.

Videomitschnitt: »Die Woken und die Rechten: Zwei Fäuste für die Gegenaufklärung?«, Teil 1 bis 3, auf: YouTube, Dezember 2023 (Teil 1 hier, Teil 2 hier, Teil 3 hier).

Was tun …

1. Dezember 2023 |

… gegen rechtsextreme Raumgewinne? Das war die Frage, die auf dem abendlichen Panel des Jahrestreffens der BAG »Gegen Hass im Netz« in Berlin-Kreuzberg diskutiert wurde. Damit lehnte sich die Veranstaltung an das Thema der aktuellen Ausgabe von Machine Against the Rage an, die den digitalen Umgang mit dem Rechtsextremismus als Schwerpunkt hat. Mit dabei als Diskutanten waren neben mir noch Simone Rafael von der Amadeo-Antonio-Stiftung und Christian Fuchs von der ZEIT; diskutiert wurde durchaus lebendig. Da neben dem offiziellen Kurzbericht nur ein Video mit Eindrücken von der Veranstaltung existiert, lässt sich der Inhalt der Diskussion leider nicht genauer nachverfolgen. Hier findet sich aber ein persönliches Memo von mir zur Praxis gegen digitalen Hass, das einige Punkte des dort Vorgetragenen mit abbildet.

Podiumsdiskussion: »Was tun gegen rechtsextreme Raumgewinne?«, NETTZ.Gespräch Unplugged im Rahmen des Jahrestreffens der BAG »Gegen Hass im Netz«, 1. Dezember 2023 (Kurzbericht hier; Memo da).