Das Antifa-Playbook

10. Mai 2026 |

Welche Wechselwirkungen vollziehen sich zwischen der extremen Rechten und ihren Gegnern in der digitalen Arena? Darüber sprach ich Ende letzten Jahres in einer Veranstaltungsreihe des Wissenschaftsvereins Kärnten. Hervorgegangen ist aus der Reihe nun ein Band mit Beiträgen aller Teilnehmer, darunter Michel Friedmann, Barbara Prainsack, Konrad Paul Liessmann – und eben ein Text von mir. Er versucht, die Mechanik eines zentralen Knotenpunkts der politischen Polarisierung zu rekonstruieren: das Spannungsverhältnis zwischen Rechtsextremismus einerseits und dem »Kampf gegen Rechts« andererseits. Eine Analyse jenes Interaktionsverhältnisses, das Polarisierungsdynamiken in verschiedenen Politikfeldern einkerbt, ist grundlegend, um die (Dys-)Funktionalität von Maßnahmen gegen Rechtsextremismus bewerten zu können. Viel zu lange wurde bereits vernachlässigt, wie auch im digitalen Antifaschismus (emotionale) Gruppendynamiken (postfaktische) Narrative erzeugen und wie diese wiederum Handlungslogiken und Konfliktdynamiken anleiten. Ein nüchterner Blick auf diese Probleme ist nötig. Denn das Playbook der antifaschistischen Reflexe und Routinen fügt sich derzeit gut in das der extremen Rechten ein.

Beitrag: Holger Marcks, »Spiegelbilder der Bedrohung. Wie der Kampf gegen Radikalisierung im Netz polarisierend wirkt«, in: Horst Peter Groß & Werner Drobesch (Hg.), Radikalisierung der Gesellschaft. Gefahr für die Demokratie (Klagenfurt u.a.: Wieser, 2026), S. 101–134.