Spreegeschwurbel

16. Oktober 2026 |

Warum die Berliner Linkspartei eine loose cannon ist, mit der sich keine verantwortliche Politik machen lässt, habe ich für die Ruhrbarone aufgeschrieben. Das Bild von der Partei als Schutzmacht der Mieter, wie es auch einige Journalisten kolportieren, wenn sie sich deren Erfolg erklären wollen, ist ziemlich schief. Man darf nicht vergessen, dass die Partei auch in der Hauptstadt ihren großen Aufschwung im Wahlkampf zur BTW 2025 erfuhr. Da band sie viele junge Wähler aus dem linken Lager über die Antifa-Karte an sich. Auch Gaza/Israel spielt parallel eine Rolle, insbesondere bei muslimischen Wählern. Überhaupt sind in die Partei viele junge Menschen eingeströmt, die ein alt- und neolinkes Patchwork bilden. Damit kann man gewisse Höhen erreichen; eine Politik, mit der sich die AfD zurückdrängen ließe, folgt daraus sicher nicht. Die Potentiale der Partei liegen fast ausschließlich im linken Lager. Wo ihr Einfluss wächst, nimmt Polarisierung implizit zu. Wie manche meinen können, mit noch mehr von dem, was AfD-affine Milieus aufbringt, ließe sich dem Rechtsruck begegnen, bleibt ein Rätsel. Und ebenso diese sonderbare Verklärung der Jugend. Denn gerade hier findet derzeit linkerseits eine starke Emotionalisierung von Politik statt, die ins Irrationale abgleitet. Auch weil die Partei sehr stark von diesem Vibe der TikTok-Dramatisierung geprägt wird, verspricht sie viel Theater.

Artikel: Holger Marcks, »Spreegeschwurbel: Berlin auf dem Weg in die Kakistokratie?«, auf: Ruhrbarone, 15. Oktober 2026 (online hier).