11. April 2026 |
Sind sogenannte Konsenskandidaten ein Mittel gegen die AfD? Für die taz habe ich dazu eine kleine Einschätzung für einen Beitrag gegeben, der sich mit der OB-Wahl in Schwerin befasst. Die Einschätzung konnte natürlich nur verknappt ausfallen. Es hängen da doch einige interessante Aspekte demokratietheoretischer Art noch dran. Und in strategischer Hinsicht ist es mindestens eine ambivalente Angelegenheit, die noch weitere Abwägungen verträgt. Grundsätzlich gesagt werden sollte: Die Praxis kann helfen, repräsentativen Verzerrungen entgegenzuwirken, die Verfahren nach Mehrheitsprinzip zuweilen hervorbringen, etwa wenn sich im ersten (oder einzigen Wahlgang) ein Lager ungünstig aufsplittet; auch kann es helfen, AfD-Kandidaten von der Stichwahl fernzuhalten. Es kann aber, abhängig von der konkreten Konstellation, auch kontraproduktiv sein, repräsentative Verzerrungen verstärken oder auch einen AfD-Sieg begünstigen. Zwischen den unterschiedlichen Outputs liegt oftmals nur ein schmaler Grat. Außerdem läuft man damit Gefahr, die Repräsentationslücken zu vergrößern, die die extreme Rechte bereits erfolgreich füllt. Und klar, das AfD-Narrativ von den Blockparteien gewinnt damit auch mehr realen Gehalt. Als Strategie taugt die Methode daher nicht. In richtigen Dosen kann es aber ein probates taktisches Mittel sein.
Schnipsel: Lotte Laloire, »OB-Wahl in Schwerin: Eine muss es ja tun«, in: taz, 11. April 2026 (online hier).
