22. April 2026 |
Sofern man unter Radikalisierung einen Prozess versteht, der mitunter ideologische Verhärtung und kognitive Zuspitzung zum Schwarz-Weiß-Denken beinhaltet, müssen entsprechende Dynamiken auch im linken Lager attestiert werden. Solche Prozesse finden beileibe nicht nur an den Rändern stand, sondern können – der »Extremismus der Mitte« lässt grüßen – auch breite Teile der Gesellschaft erfassen. Jan Böhmermanns Sendung ZDF Show Royale ist hierfür ein gutes Beispiel. Sie steht nicht nur für eine geistige Verflachung des (neo-)linken Diskurses, sondern lässt immer wieder, wenn mal wieder eine Sau durch’s Dorf getrieben wird, ein dichotomes Freund-Feind-Denken erkennen. Dieses steht zum einen für kommunikative Polarisierung; zum anderen bringt es, in seiner emotionalen Verve, auch postfaktische Narrative hervor, die dann jenen Diskurs prägen (und weiter verflachen). Warum es beim Demokratiechefretter nicht sonderlich gut um rechtsstaatliche und aufklärerische Prinzipien bestellt ist und warum antifaschistische Vorturner wie »Böhmi« mit ihrer moralischen Schlichtheit der Demokratie einen Bärendienst leisten, habe ich für die Ruhrbarone niedergeschrieben.
Artikel: Holger Marcks, »Radikalisierung Royale. Wie steht es eigentlich um die demokratische Gesinnung von Jan Böhmermann?«, auf: Ruhrbarone, 22. April 2026 (online hier).
