22. Mai 2026 |
Man stelle sich folgende Headline vor: »Rechtsextremist Martin Sellner diskutiert über Remigration auf rechtem Netzwerktreffen« – verbreitet über die größten Medien des Landes. Und dann gehen Millionen auf die Straße. Über Wochen. Klingt seltsam? Ist es auch. Und doch ist das Anfang ‘24 passiert. Also quasi: Wenn man die mediale Botschaft von damals auf ihren Tatsachenkern reduziert. Verbreitet wurde freilich etwas anderes: »Geheimplan gegen Deutschland«, »Masterplan«, »Massendeportationen«, »Wannseekonferenz 2.0«… Auf den Protesten wähnte man sich kurz vor 1933 (oder 1942) und die Demokratie im Endgame. Ihr Impact wurde nur möglich durch die Vorstellung, hier würde eine Art ethnische Säuberung durch eine nennenswerte politische Kraft vorbereitet. Die Formel von einem AfD-Geheimtreffen war in aller Munde. Warum hier hyperbolisches Framing und dramatisches Storytelling wirkten, habe ich für das »Politische Feuilleton« von Deutschlandfunk Kultur im Radio kommentiert – und auch, warum postfaktische Dynamiken im Kampf gegen rechts soziologisch geradezu erwartbar sind.
Audio-Kommentar: Holger Marcks, »Desinformation gibt es auch von links. Kommentar zu Correctiv-Bericht«, auf: Deutschlandfunk Kultur, 22. Mai 2026 (online hier).
