Yin, Yang, Yong

21. August 2026 |

Vier Wochen nach dem CSD-Anschlag wäre eine nüchterne Debatte über seine Einordnung fällig. Doch die Instant-Gewissheiten digitaler Schwärme sind längst zu vermeintlichen Wahrheiten sedimentiert: Islamismus sei Rechtsextremismus – oder entspringe wegen seiner Queerfeindlichkeit demselben geistigen Übel wie die extreme Rechte oder gar der Konservatismus. Andere behaupten, AfD und Islamisten radikalisierten sich gegenseitig. Tatsächlich zielen Islamisten auf »Auslöschung der Grauzone«: Antimuslimische Reaktionen sollen weitere Radikalisierung begünstigen. Ob solche aber den Täter wirklich motivierten, müsste ebenso belegt werden wie ein Einfluss rechter Queerfeindlichkeit. Das Bild vom »Yin und Yang des Terrors« greift ohnehin zu kurz. Auch linke Reflexe können die von Islamisten gewünschten Gräben vertiefen. Treffender wäre es daher, vom »Yin, Yang und Yong der Polarisierung« zu sprechen. Was diese Triade ausmacht, wie das linke Lager den Anschlag für den Kampf gegen rechts funktionalisiert und wie dadurch sein transnationaler, antiwestlicher Charakter verblendet wird, erläutere ich im IPG-Journal.

Artikel: Holger Marcks, »Gefährliche Reflexe. Knapp einen Monat nach dem Anschlag auf den Berliner CSD lohnt der nüchterne Blick: Wie Terror zum Treibstoff politischer Lagerkämpfe wird«, in: IPG-Journal, 21. August 2026 (online hier; auf Englisch hier).