Neues

Power in a Tenants‘ Union

28. März 2024 |

In einem aktuellen Bericht in der »Abendschau« des Bayrischen Rundfunks geht es um 400 Mieter in München, die sich gegen intransparente und zu hohe Nebenkostenabrechnungen wehren. Sie werden dabei von der Initiative für eine Mietergewerkschaft unterstützt, die sich insbesondere im Frankfurter Raum bereits ein wenig etabliert hat. Ein guter Anlass, hier auf einen meiner Artikel zum Konzept der Mietergewerkschaft zu verweisen, der maßgeblich für die Gründung jener Initiative, aber auch einer (etwas anders ausgerichteten) Initiative in Berlin war. Er erschien 2018 im ADA Magazin, dem Vorläufer des deutschen Jacobin. Leider aber waren die Macher der reinen Online-Publikation, die gerne die ganze Gesellschaft revolutionär umorganisieren möchten, nicht in der Lage, das Artikelarchiv zu bewahren, so dass die Arbeit zahlreicher Autoren klanglos ausgelöscht wurde. Den Text habe ich daher auf meiner eigenen Seite nochmal veröffentlicht.

Artikel: Holger Marcks, »Eine Gewerkschaft für Mieter«, ursprünglich veröffentlicht im ADA Magazin, 3. August 2018 (neu veröffentlicht hier).

Narrative über Narrative

8. März 2024 |

Die Politikwissenschaft befasst sich nicht nur mit rechtsextremen Narrativen, sondern liefert auch selbst Stoff für Erzählungen über den Rechtsextremismus bzw. zur Bekämpfung desselbigen. Was rechtsextreme Narrative aus wissenschaftlicher Sicht ausmacht und wie Narrative im Kampf gegen rechts wissenschaftlich eingespeist werden, darüber habe ich mit André Sebastiani von der Skeptischen Gesellschaft, einer Plattform von GWUP-Mitgliedern, gesprochen. Am Beispiel verschiedener Studien erörtern wir, wie die relevante Empirie einem interpretativen Framing unterliegt und sich in politisch opportune Storylines übersetzt.

Videogespräch: Skeptische Gesellschaft, »Wissenschaft im Kampf gegen Rechts – Im Gespräch mit Holger Marcks«, auf: YouTube, 8. März 2024 (online hier).

Memifizierte Vorurteile

8. März 2024 |

Wie können Memes, die oft als harmlose Popkultur-Witze angesehen werden, zur Verbreitung diskriminierender Botschaften dienen? Welche Formen der Abwertung finden sich dabei insbesondere bei rechtsextremen und verschwörungsideologischen Akteuren auf Telegram? Diese Fragen behandeln wir in unserem neuesten Gastbeitrag in der ZEIT, basierend auf den Erkenntnissen aus unserem Trendreport Machine Against the Rage. Dort analysieren wir in der aktuellen Ausgabe, wie Memes als Mittel der politischen Kommunikation eingesetzt werden und welche Rolle Mehrdeutigkeiten bei ihrer Verbreitung spielen.

Gastbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »Meme: Kleine Bilder voller Vorurteile«, auf: ZEIT Online, 8. März 2024 (online hier).

Grün und blau geschlagen

27. Februar 2024 |

Erst die Vorkommnisse in Schlüttsiel, wo Vize-Kanzler Robert Habeck bedrängt wurde; dann die Absage des politischen Aschermittwochs der Grünen in Biberach. Die Stimmung gegen die Regierungspartei scheint sich aufzuhitzen. Das Thema beschäftigt auch die Medien; der Spiegel spricht gar von einer »Eskalation gegen Grüne«. Auch die »Tagesschau« hat sich damit nun befasst und diesbezüglich ein Gespräch mit mir geführt. Da es davon wie üblich nur ein Schnipsel in den Bericht geschafft hat, gibt es dazu ergänzend wieder mal ein Memo, in dem ich meine Einordnung der Angriffe auf grüne, aber auch blaue Politiker ausführlicher darlege.

Schnipsel: »Tagesschau« vom 27. Februar 2024, auf: Tagesschau, 27. Februar 2024 (Bericht hier; Memo da).

Hate Is Everywhere

17. Februar 2024 |

Vor Kurzem erschien die Studie »Lauter Hass – leiser Rückzug«, eine repräsentative Befragung von über 3.000 Internetznutzern zu Erfahrungen mit digitalem Hass. Herausgegeben wurde sie vom Kompetenznetzwerk gegen Hass im Netz, wissenschaftlich umgesetzt von Pollytix Strategic Research. Vorgestellt wurde sie außerdem auf einer Pressekonferenz des Bundesfamilienministeriums, von dem das Kompetenznetzwerk finanziert wird. Anlässlich der Studie hat das ND sich der Frage gewidmet, warum Populismus so erfolgreich in den sozialen Medien ist. Auch ich stand hier für ein Hintergrundgespräch zur Verfügung, von dem ein kleiner Teil im Text verarbeitet wurde. Eine ausführlichere Einordnung findet sich wie immer hier in einem Memo. Dieses beleuchtet mitunter kritisch die Schlussfolgerungen, die aus der Befragung gezogen und medial verbreitet werden – und erörtert die vernachlässigten Aspekte, die mit Blick auf Fragen der Wahrnehmung von Hass und Hetze, aber auch für Fragen der Polarisierung von Interesse sind.

Schnipsel: Joel Schmidt, »Soziale Medien: Algorithmen ohne Moral«, in: ND, 16. Februar 2024 (Artikel hier; Memo da).

Shame Is Fame

16. Februar 2024 |

Viel Wirbel um HoHo: Seit einem Stern-Beitrag, in dem eine Mutter über die Begeisterung ihres 14jährigen Sohnes für einen Podcast berichtete, der – so die Wehklage – »unsere Kinder mit radikalem Gedankengut« impfe und »AfD-Parolen unter Jugendlichen« verbreite, sind dessen Hosts, Hoss & Hopf, in aller Munde. Die beiden fielen bereits vorher in den Podcasts-Charts auf, aber erst mit dem Beitrag, der sein Echo in den sozialen Medien fand und damit die Redaktionsstuben triggerte, schafften sie es auf die nationale Medienbühne. Zwar will nun auch TikTok gegen die Inhalte der zwei Podcaster vorgehen, ihrer neuen Bekanntheit dürfte das aber keinen Abriss tun. Für manche ist eben auch schlechte Presse gute Presse. Was es mit dem Wirbel auf sich hat, versuchte man auch bei ZDF heute zu ergründen, auch mit Hilfe einer Einordnung meinerseits. Über das im Bericht enthaltene Fragment hinaus wird diese umfänglicher hier in einem Memo wiedergegeben.

Schnipsel: Jan-Frederik Fischer et al., »TikTok-Sperre für Podcast-Videos. ›Hoss & Hopf‹: Das steckt hinter dem Wirbel«, auf: ZDF, 16. Februar 2024 (Bericht hier; Memo da).

Unjust Kidding

30. Januar 2024 |

Text-Bild-Kombinationen mit popkulturellen Referenzen, auch Memes genannt, sind schon jetzt aus der digitalen politischen Kommunikation nicht wegzudenken. Auch Botschaften der Diskriminierung (mal subtil, mal manifest; mal eindeutig, mal mehrdeutig) werden damit gestreut, nicht selten in vermeintlich humorvoller Form. Der neue Trendreport der BAG »Gegen Hass im Netz« widmet sich daher der Frage, wie rechtsextreme und verschwörungsideologische Akteure auf Telegram die Kulturtechnik des Memes nutzen, um ihren Vorurteilen Ausdruck zu verleihen. Außerdem gibt es wie immer die Ergebnisse unseres fortwährenden Monitorings für das letzte Quartal.

Release: Machine Against the Rage, »Unjust Kidding. Die Klaviatur diskriminierender Memes«, Ausgabe Nr. 5 des Trendreports der BAG »Gegen Hass im Netz«, Winter 2024 (online hier).

Verborgene Pfade?

16. Januar 2024 |

Die Radikalisierung von Einzelpersonen ist ein Thema, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Dabei geht es oft um die Frage, wie und warum sich einzelne Menschen radikalisieren und welche Folgen das für unsere Demokratie und uns als Gesellschaft haben kann. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung hat nun ein Online-Dossier zum Thema veröffentlicht, das sich damit verbundenen Fragen sowohl mit Blick in die Vergangenheit als auch auf aktuelle Entwicklungen widmet. Herausgegeben von Robert Wolff, durfte ich den einführenden Beitrag schreiben, der analytische Probleme anhand der zentralen Begriffe in der Radikalisierungsforschung erläutert. Er basiert auf den konzeptionellen Überlegungen, die ich bereits 2019 in einem Behemoth-Beitrag veröffentlich hatte. Während dort der Fokus darauf lag, Radikalismus und Extremismus als konträre Rationalitäten zu verstehen, liegt er im Dossier auf dem Begriff der Militantisierung, der von Radikalisierung (und Extremisierung) abzugrenzen ist.

Beitrag: Holger Marcks, »Radikalisierung und Militantisierung: Eine notwendige Unterscheidung«, in: Robert Wolff (Hg.), Verborgene Pfade? Online-Dossier zum Thema Einzelradikalisierung, Wiesbaden 2024 (online hier).

Correctiv-Korrektiv

11. Januar 2024 |

Deutschland ist in Aufregung. Seit dem Bericht von Correctiv über ein Treffen in Postdam, auf dem u.a. der Rechtsextremist Martin Sellner zum Thema »Remigration« referierte, halten viele einen erneuten Aufstand der Anständigen für geboten. Das Treffen hat große mediale Aufmerksamkeit erzeugt und wird vor allem mit dem Plan einer »Deportation« von Millionen Ausländern und auch deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund in Verbindung gebracht. Mitunter ist von einer »Wanseekonferenz 2.0« die Rede, die als »Geheimtreffen« stattgefunden habe. Aufgrund der Teilnahme zweier AfD-Leute werden das Treffen wie auch der angebliche Remigrationsplan zudem stark auf die Rechtsaußenpartei projiziert. Warum hier etwas Zurückhaltung und eine differenziertere Betrachtung angemessen ist, als sie von der unsachlichen und dramatisierenden Collectiv-Darstellung in die Spur gebracht wurde, habe ich ZDF heute erklärt. Leider schaffte es aber, wie bei kondensierten Nachrichtenformaten üblich, nur ein Schnipsel der korrektiven Aussagen in den Bericht. Daher werden diese hier noch in einem persönlichen Memo wiedergegeben, samt einer weitergehenden Einordnung der Berichterstattung.

Schnipsel: Oliver Klein, Nils Metzger & Jan Henrich, »Nach Correctiv-Enthüllungen: AfD-Vertreter bekräftigen Ausweisungs-Pläne«, auf: ZDF, 11. Januar 2024 (Bericht hier; Memo da).

Grauzone → Blauzone

19. Dezember 2023 |

Wie ist der digitale Diskurs zum Umgang mit dem Rechtsextremismus strukturiert? Und zieht die extreme Rechte aus diesem selbst womöglich Nutzen? Diese Fragen behandeln Maik Fielitz und ich diesmal in der ZEIT, wo wir wie immer Inhalte aus unserem Trendreport aufbereiten. Konkret handelt es sich dabei um die Ergebnisse aus dem aktuellen Schwerpunktthema von Machine Against the Rage, in dem die Mechanismen analysiert werden, durch die sich die Debatte über die Eindämmung des Rechtsextremismus in Raumgewinne für denselbigen übersetzen kann.

Gastbeitrag: Maik Fielitz & Holger Marcks, »AfD: Von der Grauzone in die Blauzone«, auf: ZEIT Online, 19. Dezember 2023 (online hier).