13. Juli 2026 |
Kurt Eisner schrieb einmal, die Sozialdemokratie sei »eine bis zur Karikatur getreue Volksausgabe des Staates, in dem sie lebt«, geworden. Warum diese Formel in der Gegenwart eine neue Bedeutung erhält, darüber habe ich etwas für den »Vorwärts« geschrieben, also für jenes altehrwürdige Organ der SPD, dem Eisner selbst von 1900 bis 1905 als De-facto-Chef vorstand. Während Eisner damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, beklagte, dass die SPD zu einem Abbild des wilhelminischen Obrigkeitsstaats geworden sei, lässt sich die Feststellung heute nochmals anders wenden: Die Sozialdemokratie hat indessen nämlich die Sozialstruktur des staatlichen Repräsentationssystems übernommen – und damit auch seine Repräsentationskrise. Warum das bestehende Parteiensystem ein »Parlament der Akademiker« hervorbringt, warum gerade die Veränderung der Sozialstruktur bei der SPD folgenreich für das Gesamtsystem war, warum sich das Abwandern von Arbeitern an die AfD gut mit der Forschung zu kultureller Polarisierung erklären lässt und warum die Lösung schwierig erscheint, wenn man auch die Organisationssoziologie ernst nimmt, erklärt der Text.
Artikel: Holger Marcks, »Warum die Krise der Sozialdemokratie lösbar und unlösbar zugleich ist«, in: Vorwärts, 13. Juli 2026 (online hier).
